22 Juli 2016

Der letzte Abend


Nun ist auch mein Abiball vorbei und er ist überhaupt nicht so verlaufen, wie ich es erwartet habe, aber das ist (mittlerweile) für mich okay. Der Abend hat gut angefangen, ich habe Bilder mit meinen Freunden gemacht, hab mit meiner und den Familien zweier Freundinnen gegessen und wir hatten viel Spaß. Leider gab es einen sehr großen Streit mit meiner Stiefschwester, was mir den Abend ziemlich versaut hatte. Er endete mit vielen Tränen und einer Panikattacke. 

Zu akzeptieren, dass der Abend, auf den ich mich seit zwei Jahren gefreut habe, für den ich das perfekte Kleid und die tollsten Freunde hatte, so endete viel mir schwer. Der Streit war dabei sogar nebensächlich. Doch an diesem einen Abend wollte ich mich einmal groß und stark und dem gewachsen fühlen, was auf mich zu kommt. Wenn du meinen Blog schon länger verfolgst, weißt du, dass das wirklich wichtig für mich ist. Und, dass ich aus dem Abend nicht so viel gemacht habe wie ich konnte, brennt mir immer noch auf der Seele. Ich habe das starke Bedürfnis in der Zeit zurück zu reisen und alles von vorn und dann anders zu erleben. Aber seit wann geschehen Dinge im Leben so, wie man sie geplant hat? 
Dass es so nicht funktioniert weiß ich natürlich, doch dieser kindliche Wunsch bleibt. Vielleicht ist das meine erste Lektion, die ich lerne. Denn im Grunde wünsch ich mir, diesen Abend mehr im Jetzt verbracht zu haben. Und während ich mir im Nachhinein den Kopf mit diesem Wunsch zerbreche, tue ich schon wieder, was ich bereue. Ich bin nicht hier, sondern da, wo ich nichts mehr tun kann. 

01 Juli 2016

Das Mädchen, dessen Haut irgendwie zu klein geworden ist

Lang ist es her. Ich hab in den letzten Monaten mein Abitur gemacht und (nicht wirklich überraschend) bestanden. Heute war die Zeugnisübergabe. Das mal eben zum Lebens-update.
Das Gefühl, das ich während der ganze Veranstaltung hatte, ist eigentlich nicht zu beschreiben. (Dazu muss man sagen, dass ich mir die Haare hab hochstecken lassen und mich deswegen unheimlich unwohl gefühlt habe, da das einfach überhaupt nicht ich war.)
Und genau diese Fremdheit und Ungewohntheit in meinem Körper empfand ich die ganze Zeit. Als wäre mir meine Haut über die letzten Wochen zu klein geworden. Und während sie mit dem Abstand zur Schule wuchs, und ich die langsame aber stetige Veränderung nicht merkte, fiel sie mir heute noch viel mehr auf, als ich versuchte in sie zurück zu schlüpfen. Auf einmal war mir der Mensch, der ich noch vor 2 Monaten war, irgendwie fremd. Ungefähr so, wie wenn man Kinderbilder von sich sieht und das kleine Menschlein darauf beinah mit einem mütterlichen Instinkt beschützen möchte. 

Von aussen ist die Veränderung sicher nicht zu erkennen aber ich spür sie. Meine Einstellung zum und Vorstellung vom Leben, mein Lebensgefühl und meine Empfindungen für alles um mich herum. Ich bin sehr froh über diese Veränderung und werd wohl nur noch einmal, zum Abiball, in meine alte Haut zurückkehren müssen.

Nachtrag: Jetzt, ein paar Stunden nachdem ich den Text geschrieben, ein wenig geschlafen und durch unser Abibuch geblättert hab, geht es besser. Ich weine zwar, ein bisschen um die Zeit, die jetzt vorbei ist und ein wenig um den Menschen, der ich nicht mehr bin, aber das ist nicht nur aus Traurigkeit, Sondern aus Freude, Dankbarkeit und Ergriffenheit über die wunderbaren Worte meiner Freunde.
Mein liebster von Antonia: "Mit dir zu lachen hält die Zeit an." 

16 März 2016


Es war mal einer, der hing mit dem Bein in einer Tür, 
aber die Zeit hielt ihn fest an der Hand und zog ihn in das Morgen. 
Und in seiner Brust klaffte ein Loch, wo einmal sein Herz gesessen hatte,  
doch wie es ihm verloren gegangen war, wusste er nicht mehr. 
Vielleicht war es ihm mit dem Vergehen der Jahre zu schwer geworden. 

15 März 2016

Wenn wir

Wenn der Sturm vorüber ist, 
alle Tränen geweint, 
aller Schmerz gespürt, 
alle Entschuldigungen gehört und
alle Worte gesagt
und wir nicht mehr "wir" sondern nur noch "du" und "ich" sind,
 und das "und" alles ist, dass uns verbindet, 
wir uns anblicken und es nichts mehr gibt, dass zu tun ist, 
dann 
sind wir wieder Fremde.

19 Dezember 2015

Das Sprungbrett



Leben verändern sich, egal ob wir das wollen oder nicht. Ich zum Beispiel werde im Juni mit der Schule fertig sein. Und auf einmal, nach 13 Jahren, steh ich da und hab das Ziel erreicht. Egal wie sehr man sich über das tägliche zur Schule rennen beklagt hat. Irgendwie gab es einem eine Sicherheit. Eine Sicherheit, die jetzt wegfällt. Abi. Und dann?
Viele Leute aus meinem Umfeld wissen schon, was sie machen wollen, und wenn nicht schon die Uni oder die Lehrstelle dann wenigstens die Richtung, in die sie gehen wollen. Ich bin überzeugt, dass die meisten von ihnen genau so große Angst haben. Und um die wegfallende Sicherheit zu ersetzten, suchen sie sich so schnell es nur geht etwas Neues, was ihnen Stabilität gibt.
Ich weiß nicht, was ich machen will. Keine Sicherheit, wenn eben auch nur eine unechte.

Mir machen Veränderungen Angst. Selbst im Urlaub vermisse ich den vertrauten Alltag. (Geht das irgendwem genau so?)
Allgemein verändert sich gerade viel bei mir. Meine Mutter hat einen neuen Freund. Von jetzt auf gleich ging ein Wildfremder bei uns ein und aus. Christian. Und da sah ich zum ersten Mal mein Sprungbrett. Er war der Auslöser, dass ich dachte: ich zieh aus. Nicht auf die überstrürtzte "Mama-hat-jemanden-anderes-lieber-als-mich"-Art sondern die "ich-brauche-meinen-eigenen-Platz"-Art.
Ja, nach der Schule bin ich frei. Ich kann mich aus dem irren Gefühlschaos meiner Familie lösen. Nichts, was mich verfolgt. Ich lasse rein, was oder wer mir gefällt. Das wars.
Also danke, lieber Christian. DU bist MEIN Sprungbrett.